Neue Energie, neue Jobs, neue Mobilität

Neue Energie, neue Jobs, neue Mobilität

Durch den Umstieg auf Öko-Energien entstehen weit mehr Jobs, als bei den alten Energieträgern verloren gehen

Weltweit sind inzwischen knapp zehn Millionen Menschen in den Branchen der erneuerbaren Energien beschäftigt – allein in der Solarbranche 3.1 Millionen, so eine neue Studie der International Renewable Energy Agency (IRENA).

“IRENA” ist sinnigerweise der griechische Name für “Frieden”. Jede Solaranlage, jedes Windrad, jede Biogasanlage und jedes Wasserkraftwerk ist ein Zeichen des Friedens. Durch erneuerbare Energie wird die Natur geschützt und geschont anstatt zerstört wie durch fossil-atomare Energieträger. Um Öl wurden viele Kriege geführt.

Die Alternative heißt: Frieden durch die Sonne. Um die Sonne oder auch um den Wind können grundsätzlich keine Kriege geführt werden. Und Millionen neue Arbeitsplätze durch erneuerbare Energien dienen auch dem sozialen Frieden.

Dass durch die Energiewende viele neue Jobs entstehen, war absehbar. Aber noch immer wird von den Lobbyisten der alten Energiewirtschaft behauptet, die Energiewende zerstöre Arbeitsplätze. Jetzt kann IRENA nachweisen, dass durch den Umstieg auf Öko-Energien weit mehr Jobs entstehen, als bei den alten Energieträgern verloren gehen.

Die Vorurteile gegenüber erneuerbaren Energien haben vor allem in Deutschland zu absurden politischen Entscheidungen geführt – hauptsächlich durch die früheren Wirtschaftsminister Philipp Rösler und Sigmar Gabriel. Um 20.000 Arbeitsplätze in der alten Kohlewirtschaft zu retten, haben sie 70.000 Arbeitsplätze in der Zukunftsbranche Solarenergie zerstört. Diese sind inzwischen nach China abgewandert.

Seit 2012 sind weltweit die Jobs bei den erneuerbaren Energien von 6.9 Millionen auf 9.8 Millionen angestiegen. IRENA erwartet, dass bis 2030 über 24 Millionen Menschen in den Branchen er Erneuerbaren beschäftigt sind.

Die meisten Jobs durch Erneuerbare gibt es in China, gefolgt von den USA, Indien, Japan und Deutschland. Noch vor acht Jahren war Deutschland vorne.

Geradezu sensationell entwickeln sich die Erneuerbaren Energien in den USA. Dort setzt Präsident Trump bekanntlich auf die Kohle. Doch die Solarbranche erlebt einen Boom: Die US-Solarwirtschaft ist in den letzten 12 Monaten 17 mal schneller gewachsen als die Gesamtwirtschaft und hat jetzt 260.000 neue Jobs geschaffen.

Vielleicht geht bei dieser Entwicklung sogar Donald Trump noch ein Licht auf und er bleibt mit seinem Land beim Pariser Klimaschutzabkommen. Dies zu beweisen, hat er in den nächsten Wochen Gelegenheit.

IRENA kommt zum hoffnungsvollen Schluss, dass sich die erneuerbaren Energien in naher Zukunft zu einem Motor der Weltwirtschaft entwickeln werden. Die E-Mobilität wird diese Entwicklung noch verstärken. (Franz Alt)

Source : https://www.heise.de/tp/features/Neue-Energie-neue-Jobs-neue-Mobilitaet-3725660.html

Bald mehr Öko auf deutschen Äckern?

Bald mehr Öko auf deutschen Äckern?

Französische Wissenschaftler fanden heraus, dass Ernteerträge nicht unbedingt kleiner ausfallen, wenn weniger Chemikalien gespritzt werden

Glyphosat sei nicht krebserregend, heißt es in einem Gutachten der europäischen Chemikalienagentur ECHA in Helsinki, das am 15. März 2017 veröffentlicht wurde. Es habe keinerlei mutagene, fortpflanzungsschädigende Eigenschaften. Allerdings sei es giftig für in Gewässern lebende Tiere und Pflanzen. Außerdem könne der Kontakt mit Glyphosat zu schweren Augenverletzungen führen.

Die wissenschaftlichen Argumente, die für eine Zulassung sprechen, seien erdrückend, findet Ursula Lüttmer-Ouazane, Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft Glyphosat, in welcher etliche Chemie- und Agrarkonzerne beteiligt sind. Zum Jahresende soll auf Grundlage der Bewertung durch die ECHA erneut über die Zulassung von Glyphosat entschieden werden. Bei all der “erdrückenden Beweislast” wäre nicht auszuschließen, dass Glyphosat weiter erlaubt bleibt.

Frei nach dem Motto, es kann nicht sein, was nicht sein darf, wurden nicht einmal neue Untersuchungen durchgeführt, sondern die Wissenschaftler prüften und interpretierten umstrittene, weil von der Industrie finanzierte Studien neu (siehe dazu: Glyphosat: Datenmasseure bei der Arbeit).

Wie groß der Einfluss der Lobbyisten diesmal war, ist unklar: Während Mitarbeiter der ECHA beteuern, wie unabhängig sie arbeiten, bezweifeln Vertreter von Greenpeace eben dies. Schließlich sollten bereits frühere angeblich unabhängige Studien, die die Harmlosigkeit von Glyphosat bescheinigten, von Monsanto beeinflusst gewesen sein.

Bleibt die Frage, ob sich die Aufregung um Glyphosat lohnt. Denn, so mutmaßen Realisten, über ein Verbot würden sich die Chemiekonzerne zwar ärgern, eine Ersatz-Chemikalie wäre aber schnell gefunden. Mit oder ohne Glyphosat – das Geschäft mit den Unkrautvernichtungsmitteln ginge weiter.

Ein Kurswechsel in der Landwirtschaft ist längst überfällig

Dabei ist ein Kurswechsel in der Landwirtschaft längst überfällig. Erst im Februar 2017 stellte Agrarminister Schmidt seine “Zukunftsstrategie Ökologischer Landbau” vor. Anstatt 20 Millionen will das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) künftig 30 Millionen Euro im Jahr dafür ausgeben.

Damit soll die Umstellung von Landwirtschaftsbetrieben auf Öko-Anbau in Deutschland erleichtert werden. Das ehrgeizige Ziel, 20 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche ökologisch zu bewirtschaften, soll damit schneller erreicht werden. Aber kann man solchen Versprechungen überhaupt trauen?

Wir erinnern uns an den BSE-Skandal 2000/2001. Er markiere das “Ende der Landwirtschaftspolitik des alten Typs”, tönte es aus den Reihen der Agrarpolitiker. Schon damals kündigte Renate Künast an, den Anteil des Öko-Landbaus auf 20 Prozent ausbauen zu wollen. Wenige Monate später war davon keine Rede mehr. Die Agrarwende war wohl irgendwie im Sande verlaufen.

Sicher ist es utopisch, dass alle Landwirte von heute auf morgen auf Bio umstellen. Doch es geht auch in kleineren Schritten. So fanden französische Wissenschaftler am Institut Nationale de la Recherche Agronomique (INRA) heraus, dass weniger Pestizide nicht unbedingt höhere Ernteverluste zu Folge haben.

Zwischen 2009 bis 2011 sammelten sie Daten von 1.000 Landwirtschaftsbetrieben. Im Ergebnis konnten 60 Prozent von 946 ausgewerteten Betrieben ihren Pestizidverbrauch um durchschnittlich 42 Prozent senken, ohne dass Ernteeinbußen zu verzeichnen waren. Es wurden 37 Prozent weniger Herbizide, 47 Prozent weniger Fungizide und 60 Prozent weniger Insektizide gespritzt.

Laut Jürgen Schwarz vom staatlichen Julius-Kühn-Institut könnten die Ergebnisse aber nur eingeschränkt auf Deutschland übertragen werden. Hierzulande würden sich die Betriebe in Fruchtfolgen, Sorten und Ausmaß des Schädlingsbefalls unterscheiden. Prof. Dr. Maria Finckh von der Uni Kassel sieht das anders. Auch in Deutschland könnte man weniger Pestizide ausbringen, wenn Landwirte rechtzeitig die Schadensschwellen ermitteln würden, glaubt die Expertin für Ökologischen Pflanzenschutz.

Außerdem fehle es an vernünftigen Fruchtfolgen, welche nicht nur die Böden schonen und robustere Ernten liefern, sondern auch Schädlingsbefall und Beikraut minimieren. Feldfrüchte würden je nach Marktlage angebaut, und dies meist unter massivem Pestizideinsatz. Solange Pestizide billig sind und ohne Beschränkungen ausgebracht werden dürfen, sei keine Änderung in Sicht.

Vor allem aber brauchen die Bauern Unterstützung beim Erlernen alternativer Methoden. Um eine weitere Verarmung an organischer Masse im Boden zu verhindern, müssten mehr Zwischenfrüchte, aber auch temporäres Grasland kultiviert werden. Dazu müsste die EU mehr Fördergelder für die “Entwicklung des ländlichen Raumes” zur Verfügung stellen. Gerade die kleineren Betriebe könnten damit gestärkt werden. Darüber hinaus brauche es eine unabhängige, staatliche Beratung und Forschung.

Vor dem Hintergrund, dass zunehmend Land von branchenfernen Investoren aufgekauft wird und die Pachtpreise stetig anziehen, stehen Landwirte ökonomisch zunehmend unter Druck. So müssen immer mehr Betriebe aufgeben, weil sie ihre Pacht nicht mehr zahlen können. In dieser Situation ist die Anpassung an eine Strategie, die mit weniger Pestiziden auskommt, eine große Herausforderung – das sehen die Autoren der o.g. Studie, Nicolas Munier-Jolain und sein Team. Ein Umdenken sei gefragt.

Im Öko-Landbau wird aus gutem Grund auf Schädlingsbekämpfungsmittel verzichtet. Denn mit den Schadinsekten, die sich gerne in Monokulturen ausbreiten, werden auch die Nützlinge vernichtet. Nach der mechanischen Bearbeitung bleiben Blühpflanzen an Ackerrändern, welche bestäubende Insekten anlocken. Ansonsten halten biologische Gegenspieler die Schädlinge in Schach. Organische Düngung erhöht die Bodenfruchtbarkeit, während Hülsenfrüchte den Stickstoff aus der Luft kostenlos binden.

Die Kosten

Eine Untersuchung an der kanadischen University of British Columbia vom März 2017 prüft die Vor- und Nachteile des Öko-Landbaus betreffend unterschiedlicher Parameter wie Ertragssicherheit, Bodenqualität, Biodiversität und Beitrag zum Klimaschutz. Höhere Erträge beim Getreide durch organische Stickstoffeinträge beim Anbau von Hülsenfrüchten ist nur ein positives Ergebnis.

Eine größere organische Masse bindet mehr Kohlenstoff im Boden – ein wirksamer Schutz für das Klima. Auch in dieser Studie profitieren Boden und Wasser ganz eindeutig durch den Verzicht auf Pestizide. Dies wirkt sich positiv auf die Gesundheit des Landwirtes und seiner Mitarbeiter aus. Als Nachteil werden niedrigere Erträge und höhere Verbraucherpreise genannt.

Allerdings sind die wahren Kosten für die konventionelle Produktion billiger Lebensmittel keinesfalls in den niedrigen Preisen enthalten. Der hohe Einsatz an Chemikalien und flächendeckende Monokulturen hat zur Folge, dass immer mehr Böden erodieren und fruchtbarer Acker verloren geht. Strategien zur permanenten Ertragssteigerung ohne Rücksichtnahme auf die Bodengesundheit führen früher oder später in eine Sackgasse.

Ein UN-Bericht warnt vor katastrophalen Auswirken von Pflanzenschutzmitteln auf die Umwelt, Mensch und Gesellschaft. So sterben weltweit tausende Menschen an den Folgen eines überhöhten Chemikalieneinsatzes, vor allem in den ärmeren Ländern. Gerade fruchtbare Böden dürften für die Nahrungssicherheit, die sich Agrarkonzerne so gerne auf die Fahnen schreiben, weltweit an Bedeutung gewinnen.

Agrochemikalien gefährden bestäubende Insekten

In Gegenden, in denen viel Pflanzenschutzmittel gespritzt wird, leiden Imker unter besonders großen Verlusten. Die Bienen würden zunächst davon “betrunken”, berichtet ein Hobby-Imker, der nahe der tschechischen Grenze Bienen hält. In der Region bei Dresden starben in diesem Frühjahr auffällig viele Bienenvölker. Weil sie bei viel zu niedrigen Temperaturen losfliegen, sterben die Bienen an Unterkühlung.

Auf der anderen Seite der Grenze, wo keine Chemikalien versprüht werden, ginge es den Bienen deutlich besser. Bienen, die mit Pflanzenschutzmitteln vergiftet sind, sind anfälliger gegenüber Krankheiten wie Nosematose und Amerikanischer Faulbrut. Mehrere wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen, dass bereits geringe Dosen die kognitiven Prozesse irreversibel stören. Die betroffenen Bienen verlieren die Orientierung und sterben. Seit 2006 ist das Phänomen in den USA unter dem Namen Colony Collapse Dissorder (CCD) bekannt.

Besonders gefährlich sind Neonicotinoide wie Imidacloprid, Thiamethoxam und Clothianidin, deren Anwendung bereits eingeschränkt wurde. Glaubt man dem Biologen Peter Neuman vom Schweizer Institut für Bienenforschung, so hat eine vorbeugende Spritzung nicht nur den frühen Tod der Königinnen, sondern auch eine geringere Fortpflanzungsrate bei Wildbienen zur Folge. Das Heimtückische sei, dass derart behandelte Pflanzen von Bienen bevorzugt angesteuert würden.

Nun erwägt die EU-Kommission ein endgültiges Verbot der drei Gifte – aber nur im Freiland. In Gewächshäusern soll ihre Anwendung erlaubt bleiben. Mitte Mai 2017 will ein Experten-Gremium darüber beraten. Mit einer persönlichen Botschaft an Agrarminister Schmidt kann jeder der Forderung nach einem Totalverbot Nachdruck verleihen.

Source : https://www.heise.de/tp/features/Bald-mehr-Oeko-auf-deutschen-Aeckern-3700092.html?seite=all

Autor : Susanne Aigner

Viele Legehennen sind krank – und keiner merkt es

Viele Legehennen sind krank – und keiner merkt es

Wie kann der Kunde feststellen, ob die “Eierproduzenten” gesund waren?

Nur wenn er die Legehennen persönlich kennt. In der EU sind nur die Rahmenbedingungen, also die formalen Haltungskriterien bei der Legehennenhaltung vorgeschrieben. Für Hühnereier gelten in der EU genau definierte Kennzeichnungsregeln, die Teil der EU-Vermarktungsnormen für Eier sind, die heute als Verordnung (EG) Nr. 589/2008 vom 23. Juni 2008 vorliegt.

Alle sortierten Eier, die vom Erzeuger unverarbeitet an Endverbraucher verkauft werden, müssen gekennzeichnet werden. Anhand des auf dem Ei als Stempelabdruck zu sehenden Erzeugercodes kann der sich Käufer über die die Haltungsform der Legehenne (Bio-Haltung, Freilandhaltung, Bodenhaltung) informieren. Darüberhinaus erfährt er das EU-Mittgliedsland, aus welchem das Ei stammt und in Deutschland auch das Bundesland. Zu Feststellung des Betriebs, aus dem das Ei kommt, gibt es die Erzeugerbetriebs- und Stallnummer.

Auf Eier-Verpackungen steht üblicherweise die Güteklasse und die Codenummer der Packstelle, welche auch die Qualität der Eier prüfen und sie nach Gewicht sortieren. Die Packstelle, die durch ihre Packstellennummer europaweit identifizierbar ist, muss sich nicht im gleichen Land befinden wie der Erzeugerbetrieb.

Für unverpackte und unsortierte Eier, die an der Haustür oder direkt ab Produktionsbetrieb verkauft werden, gibt es sogenannte Kennzeichnungserleichterungen. Dann dürfen keine Angaben zu Güte- und Gewichtsklasse gemacht werden

Eine Übersicht, welche Vorschriften und Gesetze für die Produktion und die Vermarktung von Hühnereiern gelten findet sich beispielsweise auf dem Portal des Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz.

Wird das Ei verarbeitet, gehen alle Herkunftsnachweise mit der Verarbeitung unter: Für gekochte und gefärbte Eier sowie für Eier, die in Nudeln und Backwaren verarbeitet werden, gibt es keine Haltungskennzeichnung. Der Verbraucher kann dann nicht so leicht feststellen, ob die Eier im Eierlikör beispielsweise aus einer Käfighaltung stammen. Anhaltspunkte können da nur Listen liefern, wie sie beispielsweise vom Deutschen Tierschutzbund veröffentlicht werden.

Viele Verbraucher greifen heute zu Eiern aus Freiland- oder Biohaltung, weil die Hennen dort ihre arteigene Verhaltensweisen besser ausüben können, mehr Platz haben und ins Freie können. Vorteile, welche die Boden- oder gar Käfighaltung ihnen nicht bietet.

Dass Bio-Eier weniger Dotter haben und oft mehr Keime als Eier aus Bodenhaltung haben, wie Michael Grashorn vom Institut für Nutztierwissenschaften der Universität Hohenheim in seiner neuesten Studie nachgewiesen hat, lässt manchen dann doch wieder zu den billigeren, konventionell erzeugten Eiern greifen. Die locken zudem mit kräftiger gefärbten Dotter, der jedoch von den Farbstoffen herrührt, welche dem Futter in der konventionellen Haltung beigemischt werden. Hat ein als Bio-Ei gekauftes Hühnerei keinen blassen Dotter, hat es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit aus einem konventionell bewirtschafteten Stall ins Bio-Gefilde verirrt.

Allen Kennzeichnungspflichten über die Haltungsbedingungen und die Nationalitäten zum Trotz erfährt der Kunde über den Gesundheitszustand der Hennen in dem Betrieb, aus dem die Eier stammen, schlichtweg nichts. Es gibt keinerlei Informationen über Gelenkerkrankungen, Brustbeinschäden, Eileiterentzündungen oder Wurmbefall. Nach Informationen von foodwatch gibt es bei den Krankheitssyptomen keine signifikanten Unterschiede zwischen konventioneller und Bio-Haltung oder zwischen kleinen Höfen und Großbetrieben.

Der Kunde kann also auf der Basis der ihm vorliegenden Informationen nicht erkennen, ob die Eier von gesunden oder kranken Hühnern stammen. Egal ob Bio-, Freiland- oder Bodenhaltung viele Eier stammen inzwischen von kranken Hühnern. Und dabei sind Hühner aus Bio- oder auch aus Freilandhaltung, die im mehr oder weniger freien Feld scharren können, besonders gefährdet, weil sie auch infizierten Kot anderer Hennen picken können.

Bei gekachelten Ställen, die regelmäßig desinfiziert werden, scheint das Keimrisiko am geringsten. Vor Knochenbrüchen schützt die Stallhaltung jedoch nicht. Die Knochenbrüche sind Resultat der Hochleistungszüchtungen. Um die vielen Eierschalen produzieren zu können, wird den Knochen das Kalzium entzogen. Das macht die Hennen anfällig für Osteoporose und damit für Knochenbrüche. Dass bei älteren Legehennen die Schalen dünner sind, als bei jungen, führt in diesem Jahr zu besonders viel Bruch beim österlichen Eier-Ausblasen. Aufgrund der Vogelgrippe und dem damit verbundenen Transportverbot stockte der Legehennen-Nachschub und die alten Hennen mussten weiter Eier legen.

Nach Aussagen der rheinland-pfälzischen Ernährungsministerin Ulrike Höfken wünschen sich 79 Prozent der Bevölkerung in Deutschland ein staatliches Tierwohllabel und 88 Prozent der Befragten würden sogar mehr Geld für Lebensmittel ausgeben, wenn diese aus Haltungen mit höheren Tierwohl-Standards stammen.

Bislang gibt es keinerlei Vorgaben für die Tiergesundheit – weder in der Bio- noch der konventionellen Legehennenhaltung im Stall oder Freiland. Jenseits der Tierseuchen wie der Vogelgrippe gibt es auch keine Meldepflicht und somit auch keine Möglichkeit die Häufung von Erkrankungen festzustellen. Es gibt behördlicherseits keinerlei Handhabe, Haltungsbedingungen durchzusetzen, die auch der Tiergesundheit dienen.

Foodwatch, die in ihrem Legehennen-Report die Eierwirtschaft ausgeleuchtet haben, fordern jetzt, dass künftig der Gesundheitsstatus vorzuschreiben ist und auch kontrolliert werden muss. Zusätzlich zu den Vorschriften für das Haltungsverfahren sollten künftig auch Zielvorgaben für die Tiergesundheit gesetzlich festgelegt werden. Die Einhaltung dieser Zielvorgaben sollte nicht nur kontrolliert, sondern alle Kontrollergebnisse auch veröffentlicht werden. In Zukunft solle kein tierisches Produkt mehr in den Handel kommen, das von krank gehaltenen Tieren stammt.

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Source : https://www.heise.de/tp/features/Viele-Legehennen-sind-krank-und-keiner-merkt-es-3684894.html

Autofahren wird heilbar

Autofahren wird heilbar

Mobil ohne Auto

Die Stadt Oslo erklärt soeben: “Die Stadtregierung hat sich zum Ziel gesetzt, dass das Stadtzentrum bis 2019 autofrei wird.”

Die radikalste Verkehrswende findet zurzeit in Skandinavien statt. Norwegens Hauptstadt will Umwelthauptstadt Europas werden und bis 2020 seine Schadstoffemissionen um 50 % senken.

Lärm, Staus, Verkehrstote und Schadstoffbelastungen werden zu immer größeren Belastungen in allen Metropolen der Welt. Seit 1945 sind weltweit über 110 Millionen Menschen im Straßenverkehr getötet worden – doppelt so viele Tote wie im Zweiten Weltkrieg.

Diesen Massenmord auf den Straßen werden die Menschen bald nicht mehr mitmachen. Global wird immer deutlicher, dass mit dem heutigen Benzinauto die Verkehrsprobleme des 21. Jahrhunderts nicht lösbar sind.

Immer mehr Menschen ziehen in die Städte. Dort wollen sie eine bessere Luft, mehr Sicherheit und eine grüne Umgebung für sich und ihre Kinder.

In Finnlands Hauptstadt Helsinki wird an Plänen gearbeitet, wonach jeder Mensch künftig ohne Auto jeden Punkt der Stadt mit Bus, Bahn, Fahrrad oder Elektro-Leihauto erreichen kann.

In Stockholm kostet eine Fahrt in die Innenstadt seit Januar 2016 zwölf Euro hinein und zwölf Euro hinaus. Autofahren wird nicht verboten, aber viel teurer und damit überflüssig.

In Kopenhagen reduziert die Stadt Jahr für Jahr ihre Parkplätze, baut Fahrradwege und fördert den öffentlichen Verkehr. BMW betreibt in Dänemarks Hauptstadt bereits 400 Elektro-Leihautos. Es gibt über 600 Ladestellen. In Norwegen fährt bereits jeder zweite Neuwagen elektrisch. Der Staat gibt für jedes neu gekaufte E-Auto 13.000 Euro dazu.

Paris erklärt in diesen Tagen das Seine-Ufer zur Fußgängerzone – ausgerechnet zur Eröffnung des Pariser Autosalons.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) publiziert soeben, dass Benzinautos der entscheidende Faktor dafür sind, dass global jedes Jahr sechs Millionen Menschen an Luftverschmutzung sterben. Beinahe so viele wie Kriegstote jedes Jahr im Zweiten Weltkrieg.

Hinzu kommen immer höhere finanzielle Belastungen durch die Automobilität. In Tokio kann ein Parkplatz monatlich schon 400 Euro kosten. Ohne Parkplatz gibt es gar keine Zulassung mehr. In Japans Hauptstadt besitzen nur noch 18% der Einwohner ein Auto. Tendenz zurückgehend.

95% des gesamten Verkehrs sind öffentlicher Verkehr – komplett elektrisch. Das Smartphone ist für junge Japaner längst wichtiger als ein Auto. S-Bahnen und U-Bahnen fahren im Drei-Minutentakt. Die weltweite Verkehrsrevolution ist nicht mehr aufzuhalten, auch wenn die deutschen Autobauer darauf noch kaum vorbereitet sind.

Mobilität der Zukunft geht so: Weniger Benzinautos, mehr Elektroautos, mehr Elektro-Fahrräder und weit mehr öffentlicher Verkehr – elektrisch natürlich. Die Zukunft gehört der Elektromobilität.

Source : http://www.heise.de/tp/artikel/48/48626/1.html

Von Franz Alt in TELEPOLIS > Politik

Arbeitet man am besten im eigenen Büro oder gleich Zuhause?

Arbeitet man am besten im eigenen Büro oder gleich Zuhause?

Nach einer Studie verschlechtern Großraumbüros, Hot Desking, Coworking Spaces oder Smart Workspaces die Kommunikation, die Kooperation und die Beziehungen und fördern den Rückzug

Großraumbüros werden als Alternativen zu den kleinen Zellenbüros seit Jahrzehnten gebaut und genutzt. Sie sollen, wie ihre flexibilisierende Weiterentwicklung durch Hot oder Desk Sharing, nicht nur für bessere Überwachung, Effizienz und sinkende Kosten sorgen, sondern überdies die Kommunikation der Mitarbeiter fördern. Die kommen einander nicht aus, können sich nicht zurückziehen, daher kämen sie gar nicht umhin, einander zu begegnen, was Kontakte, Zusammenarbeit und letztlich daraus entstehende Innovationen oder Verbesserungen begünstigen soll.

Das ist natürlich naiv gedacht, wird aber auch zunehmend von den großen Konzernen, die sich neue Hauptgebäude bauen wie Apple, Facebook oder Google, umgesetzt. Je dichter man Menschen packt, so letztlich die These, desto besser soll das Zusammenleben und -arbeiten stattfinden. Denn nur im Team, das eher einem Schwarm gleicht, soll in Zeiten der mobilen Internetnutzung und Kommunikation noch gearbeitet werden. Unbeabsichtigte Begegnungen führen zu neuen Ideen, heißt es, der Rückzug in die Zelle, gar in einem Raum mit nur einem Arbeitsplatz ist des Teufels und nur den obersten Chefs vorbehalten, die sich dann doch gerne der Offenheit und Getümmel nicht nur für Besprechungen entziehen.

In München hat Microsoft Deutschland gerade die neue Zentrale in Schwabing bezogen und schwärmt von der dort umgesetzten “Neuen Idee des Arbeitens” und der Innovationskultur. Die Mitarbeiter können angeblich frei entscheiden, ob sie im Home Office, unterwegs oder in der Zentrale arbeiten wollen. Dort haben sie keinen festen Arbeitsplatz, was die Flexibilität und Innovationsbereitschaft fördern soll.

Sabine Bendiek, Vorsitzende der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland, ist begeistert und ergeht sich in den Buzzwords: “Die digitalisierte Welt stellt neue Anforderungen an die Lösungskompetenz von Mitarbeitern. Viele Aufgaben sind inzwischen so komplex, dass sie nur in Teams gelöst werden können. Mit der neuen Arbeitsumgebung lösen wir räumliche Trennungen auf und fördern die Zusammenarbeit auch über Abteilungs- und Hierarchiegrenzen hinweg. Innovation entsteht, wenn Menschen diskutieren, ihr Wissen teilen und gemeinschaftlich an Lösungen arbeiten können. Unser Smart Workspace Konzept bietet uns Raum für diese Kultur.” Weil mittlerweile alles smart ist, wurde denn auch ein “Smart Workspace” geschaffen. Richtig neu ist nicht, wenn man die “starre, einheitliche Arbeitsplatzbindung auflöst und auf neue, offene Bürostrukturen setzt, die auf unterschiedliche Arbeitsanforderungen ausgerichtet sind und flexibel genutzt werden können”. Immerhin gibt es Nischen, in die man sich auch mal alleine zurückziehen kann: den “Think Space für hochkonzentrierte Alleinarbeit”.

Nach einer Studie der australischen Wissenschaftler Rachel L. Morrison und Keith Macky von der School of Business and Law an der Auckland University of Technology ist der Hype um die offenen Räume für flexible Angestellte, die sich nur temporär im Unternehmen niederlassen sollen und ansonsten in der Schwebe bleiben, nicht ganz nachvollziehbar. Die Arbeit in Großraumbüros ist sicherlich noch stressiger, weil hier die Mitarbeiter zwar einen festen Arbeitsplatz haben, aber sich nicht von der Umgebung und den anderen abschirmen können. Dafür können sie allerdings ihren kleinen, wenn auch einsehbaren Raum “personalisieren”.

Für ihre Studie führten die Wissenschaftler eine Umfrage unter tausend festangestellten Australiern durch, die in Büros gearbeitet haben und gefragt wurden, ob sie gemeinsam im Büro mit anderen gearbeitet haben, welche Freundschaften sie mit den Mitarbeitern geschlossen, welche Unterstützung durch Vorgesetzte sie erhalten und welche negativen Beziehungen sie erlebt haben. Damit suchten sie die Belastungen herauszufinden, die nach dem Modell der Employee Social Liabilities (ESL) in die vier Hauptkategorien fallen: Ablenkung, negative Beziehungen, unkooperative Verhaltensweisen und Misstrauen. Und sie wollten erfassen, ob die angepriesenen Vorzüge von gemeinsamen (shared) Arbeitsräumen, nämlich bessere Beziehungen und mehr Unterstützung durch Vorgesetzte, in Wirklichkeit stattfinden.

Das Ergebnis, wenn allgemein zutreffend, ist für das Konzept des “Smart Workplace” desillusionierend, was wenig verwunderlich ist, denn eingeführt wird es vor allem aus Kostengründen und Überlegungen, den Arbeitsraum so zu gestalten, dass er die Arbeitsleistung optimiert. Die Angestellten scheinen diese offenen Räume und flexiblen Strukturen nicht als angenehm zu erleben. Berichtet wird eine Verstärkung der Ablenkungen, des Misstrauens, von negativen Beziehungen und Nichtbereitschaft zur Kooperation. Freundschaftliche Beziehungen und das Verhältnis zu Vorgesetzten verschlechtern sich: “Freundschaften zwischen den Mitarbeitern haben die schlechteste Qualität bei Hot Desking und offenen Räumen verglichen mit den Angestellten, die ihre eigenen Büros haben oder ihren Raum nur mit ein oder zwei Kollegen teilen.”

Die Wissenschaftler vermuten, dass Großraumbüros Konkurrenzstrategien wie Rückzug und geringere Bereitschaft zur Teamarbeit fördern. Das wäre auch nicht sehr verwunderlich, wenn man auch sonst dauernd im Team arbeiten muss, ohne sich in seinen “eigenen” Raum zurückziehen zu können – und unter Bedingungen der faktischen Konkurrenz, was die Kooperationsbereitschaft nur bedingt fördern dürfte, da der andere auch der Gegner ist, was ist die individuellen Karriereaussichten betrifft. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Angestellten in Großraumbüros misstrauischer werden und sich im offenen Raum stärker zurückziehen, wodurch sich die Beziehungen zu den Kollegen und Vorgesetzten verschlechtern. Auch andere Studien zeigen, dass in Großraumbüros oder Hot-Desking-Räumen die Kooperation schlechter wird, während sich der Informationsfluss nicht verbessert.

Eigenes Büro oder Telearbeit

Nach der australischen Studie wäre es für die Angestellten, die sie befragt haben, am besten, wenn sie ihr eigenes Büro haben, einen Raum mit einem oder zwei Kollegen teilen oder gleich Zuhause telearbeiten. In Großraumbüros versuchen die Angestellten, sich vom Lärm, der Beobachtung und der Ablenkung durch Stellwände, Bücherregale, Pflanzenwände oder Kopfhörer abzugrenzen und einen gewissen persönlichen Platz zu gestalten, wenn dies denn gestattet ist. Bei Hot Desking ist das per se unterbunden.

Die Wissenschaftler schlagen vorsichtig vor, das Teilen des Raums nicht zu übertreiben und Rückzugsmöglichkeiten zu ermöglichen. Vermutlich müsste eine gewisse Personalisierung des Arbeitsplatzes auch ermöglicht werden, schließlich ist oft der virtuelle Arbeitsraum auch völlig unpersönlich: “Ohne räumliche Privatsphäre oder Distanz versuchen wir vielleicht”, so die Wissenschaftler, ” selbst Distanz zu erzeugen.” Allerdings sei eine “kritische Dichte spontaner Interaktion” notwendig. Die verlangt allerdings kein Hot Desking oder ein Großraumbüro, sondern gemeinsame Räume, in denen man gerne einmal Kollegen begegnet. Allerdings könnte Telearbeit einen Ausweg darstellen, wenn die Angestellten nur gelegentlich zu bestimmten Zwecken in die Büros kommen und ansonsten ihre eigenen personalisierten Räume nutzen. Hot Desking oder Smart Workplace würden demnach als Beschleuniger für die Tele- oder Heimarbeit fungieren.

Neu ist das alles nicht. Ganz ohne empirische Studien und den Hype von “shared offices” wies etwa Immanuel Kant auf die “ungesellige Geselligkeit” hin, also auf die Einhaltung eines notwendigen räumlichen Abstands für erträgliche Beziehungen, der nicht nur bei der Massenangestelltenhaltung, sondern eigentlich auch bei der Massentierhaltung zu beachten wäre.

Source : https://www.heise.de/tp/features/Arbeitet-man-am-besten-im-eigenen-Buero-oder-gleich-Zuhause-3336745.html

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