Recht auf Reparatur

Recht auf Reparatur

Immerzu brauchen wir neue Kabel, Stecker und Handys, weil sie sich nicht reparieren lassen. Schafft es Europa, eine ressourcenschonende Kreislaufwirtschaft zu werden?

Wie viele Kabel haben Sie in Ihrem Leben schon gekauft? Bei mir waren es viele. Das eine verschwand, das nächste ging kaputt und das übernächste flog weg, weil es für das neue Gerät nicht mehr zu gebrauchen war. Die einzige sichere Konstante durch all die Jahre war nämlich: Neues Handy – neues Kabel. (Manchmal auch neues Handy – neuer Kopfhörersteckeranschluss. Oder neuer Laptop – neuer Stecker.) Die Verbindung meiner Kommunikationsgeräte mit der Steckdose hat mich jedenfalls eine Menge Euros gekostet.

Ginge es dabei nur um mich und meine Schlampigkeit, wäre die Sache irrelevant. Aber pro Sekunde gehen in der EU etwa sieben Handys über die Ladentheke. Millionen Meter Ladekabel kommen dazu. Man stelle sich die Kabel mal als Müllberg vor – und lege noch die Handys obendrauf, die weggeworfen werden, weil die Hersteller die Reparatur schwer oder unmöglich gemacht haben. Und dann noch all die anderen elektrischen Geräte. 12 Millionen Tonnen Elektroschrott kommen in Europa jedes Jahr zusammen. Die Ressourcenverschwendung ist also riesig, unnötig und ein politischer Skandal – jedenfalls in Zeiten, in denen alle über die Übernutzung der Erde klagen.

Tatsächlich ist das Problem schon länger bekannt. Bereits 2009 hatte die EU-Kommission angekündigt, wenigstens für die Handys einen Generalstecker durchsetzen zu wollen. Sie ließ sich dann auf einen Deal mit den Herstellern ein. Das Ergebnis kann man heute in jedem Elektroladen sehen. Vor allem Apple produziert auch 2020 weiter, was es will: immer mal wieder neue Anschlüsse, Akkus, die alt werden und sich eigentlich nicht herausnehmen lassen. Das Signal an den Kunden ist deutlich: Reparieren unerwünscht!

Nun könnte man argumentieren: Wenn der Kunde es kauft, ist er selber schuld. Aber das ist dann so wie mit dem dicken SUV – natürlich ist der Käufer mitverantwortlich für die Verschwendung, wenn er entweder mehr PS oder immer das neueste Smartphone haben will. Aber die Betonung liegt auf “mit”. Auch der Hersteller, der die umweltverschmutzenden, müllproduzierenden Dinger bewirbt und keine Alternative anbietet, trägt Verantwortung. Und wenn er der nicht nachkommt, dann muss die Politik ran. Jedenfalls wenn sie ihr Versprechen einer intakten Umwelt ernst nimmt, das sie den Bürgern immer wieder gegeben hat.

Heute weint kaum noch jemand um die Glühbirne

Ein paar Mal hat die EU bereits eingegriffen. Trotz wilder Proteste hat sie das Verbot der energiefressenden Glühbirne durchgesetzt – und siehe da: Heute weint kaum noch jemand, denn es gibt einen wahren Boom aller möglicher (stromsparender) und extravaganter Leuchtmittel. Ähnliches lässt sich über andere “energieverbrauchsrelevante Produkte” sagen. Durch die sogenannte Ökodesignrichtlinie hat die EU dafür gesorgt, dass Staubsauger, Kühlschränke und Klimaanlagen heute weniger Strom brauchen.

Nur, Strom ist eben nur ein Teil des Problems der Produkte – und deswegen werden jetzt die Umwelt- und Verbrauchergruppen aktiv. Sie fordern in einer Petition die Reparierbarkeit von Smartphones europaweit zu erzwingen, etwa unter #longlivemyphone.

Die EU solle mit dem für Anfang März angekündigten Aktionsplan zur Kreislaufwirtschaft dafür sorgen, dass Geräte grundsätzlich reparierbar designed werden. “EU”, “Aktionsplan” – allein diese beiden Worte sorgen wahrscheinlich schon dafür, dass viele nun gähnen. Und tatsächlich ist die Gefahr groß, dass die Sache nur ein paar Technokraten interessiert. Doch das wäre falsch. Denn im Kern geht es bei dieser und bei vielen anderen kommenden Entscheidungen der EU immer um die eine große Frage: Wird allein Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen weiter von einem Green Deal träumen – oder schafft Europa es, tatsächlich zu einer ressourcenschonenden Kreislaufwirtschaft zu werden?

Wenn es gut geht, werde ich mein Geld fürs Kino ausgeben und nicht fürs Kabel. Wenn die Sache schiefgeht, kommt die EU-Vorschrift für einheitliche Handy-Stecker zwar irgendwann. Aber erst dann, wenn die Geräte längst alle kabellos aufgeladen werden. Und ich mir statt eines neuen Kabels ein neues Ladegerät kaufen muss.

Autorin : PETRA PINZLER

Erschienen am 20.02.2020 in der ZEIT Kolumne FÜNF VOR 8:00

Bald mehr Öko auf deutschen Äckern?

Bald mehr Öko auf deutschen Äckern?

Französische Wissenschaftler fanden heraus, dass Ernteerträge nicht unbedingt kleiner ausfallen, wenn weniger Chemikalien gespritzt werden

Glyphosat sei nicht krebserregend, heißt es in einem Gutachten der europäischen Chemikalienagentur ECHA in Helsinki, das am 15. März 2017 veröffentlicht wurde. Es habe keinerlei mutagene, fortpflanzungsschädigende Eigenschaften. Allerdings sei es giftig für in Gewässern lebende Tiere und Pflanzen. Außerdem könne der Kontakt mit Glyphosat zu schweren Augenverletzungen führen.

Die wissenschaftlichen Argumente, die für eine Zulassung sprechen, seien erdrückend, findet Ursula Lüttmer-Ouazane, Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft Glyphosat, in welcher etliche Chemie- und Agrarkonzerne beteiligt sind. Zum Jahresende soll auf Grundlage der Bewertung durch die ECHA erneut über die Zulassung von Glyphosat entschieden werden. Bei all der “erdrückenden Beweislast” wäre nicht auszuschließen, dass Glyphosat weiter erlaubt bleibt.

Frei nach dem Motto, es kann nicht sein, was nicht sein darf, wurden nicht einmal neue Untersuchungen durchgeführt, sondern die Wissenschaftler prüften und interpretierten umstrittene, weil von der Industrie finanzierte Studien neu (siehe dazu: Glyphosat: Datenmasseure bei der Arbeit).

Wie groß der Einfluss der Lobbyisten diesmal war, ist unklar: Während Mitarbeiter der ECHA beteuern, wie unabhängig sie arbeiten, bezweifeln Vertreter von Greenpeace eben dies. Schließlich sollten bereits frühere angeblich unabhängige Studien, die die Harmlosigkeit von Glyphosat bescheinigten, von Monsanto beeinflusst gewesen sein.

Bleibt die Frage, ob sich die Aufregung um Glyphosat lohnt. Denn, so mutmaßen Realisten, über ein Verbot würden sich die Chemiekonzerne zwar ärgern, eine Ersatz-Chemikalie wäre aber schnell gefunden. Mit oder ohne Glyphosat – das Geschäft mit den Unkrautvernichtungsmitteln ginge weiter.

Ein Kurswechsel in der Landwirtschaft ist längst überfällig

Dabei ist ein Kurswechsel in der Landwirtschaft längst überfällig. Erst im Februar 2017 stellte Agrarminister Schmidt seine “Zukunftsstrategie Ökologischer Landbau” vor. Anstatt 20 Millionen will das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) künftig 30 Millionen Euro im Jahr dafür ausgeben.

Damit soll die Umstellung von Landwirtschaftsbetrieben auf Öko-Anbau in Deutschland erleichtert werden. Das ehrgeizige Ziel, 20 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche ökologisch zu bewirtschaften, soll damit schneller erreicht werden. Aber kann man solchen Versprechungen überhaupt trauen?

Wir erinnern uns an den BSE-Skandal 2000/2001. Er markiere das “Ende der Landwirtschaftspolitik des alten Typs”, tönte es aus den Reihen der Agrarpolitiker. Schon damals kündigte Renate Künast an, den Anteil des Öko-Landbaus auf 20 Prozent ausbauen zu wollen. Wenige Monate später war davon keine Rede mehr. Die Agrarwende war wohl irgendwie im Sande verlaufen.

Sicher ist es utopisch, dass alle Landwirte von heute auf morgen auf Bio umstellen. Doch es geht auch in kleineren Schritten. So fanden französische Wissenschaftler am Institut Nationale de la Recherche Agronomique (INRA) heraus, dass weniger Pestizide nicht unbedingt höhere Ernteverluste zu Folge haben.

Zwischen 2009 bis 2011 sammelten sie Daten von 1.000 Landwirtschaftsbetrieben. Im Ergebnis konnten 60 Prozent von 946 ausgewerteten Betrieben ihren Pestizidverbrauch um durchschnittlich 42 Prozent senken, ohne dass Ernteeinbußen zu verzeichnen waren. Es wurden 37 Prozent weniger Herbizide, 47 Prozent weniger Fungizide und 60 Prozent weniger Insektizide gespritzt.

Laut Jürgen Schwarz vom staatlichen Julius-Kühn-Institut könnten die Ergebnisse aber nur eingeschränkt auf Deutschland übertragen werden. Hierzulande würden sich die Betriebe in Fruchtfolgen, Sorten und Ausmaß des Schädlingsbefalls unterscheiden. Prof. Dr. Maria Finckh von der Uni Kassel sieht das anders. Auch in Deutschland könnte man weniger Pestizide ausbringen, wenn Landwirte rechtzeitig die Schadensschwellen ermitteln würden, glaubt die Expertin für Ökologischen Pflanzenschutz.

Außerdem fehle es an vernünftigen Fruchtfolgen, welche nicht nur die Böden schonen und robustere Ernten liefern, sondern auch Schädlingsbefall und Beikraut minimieren. Feldfrüchte würden je nach Marktlage angebaut, und dies meist unter massivem Pestizideinsatz. Solange Pestizide billig sind und ohne Beschränkungen ausgebracht werden dürfen, sei keine Änderung in Sicht.

Vor allem aber brauchen die Bauern Unterstützung beim Erlernen alternativer Methoden. Um eine weitere Verarmung an organischer Masse im Boden zu verhindern, müssten mehr Zwischenfrüchte, aber auch temporäres Grasland kultiviert werden. Dazu müsste die EU mehr Fördergelder für die “Entwicklung des ländlichen Raumes” zur Verfügung stellen. Gerade die kleineren Betriebe könnten damit gestärkt werden. Darüber hinaus brauche es eine unabhängige, staatliche Beratung und Forschung.

Vor dem Hintergrund, dass zunehmend Land von branchenfernen Investoren aufgekauft wird und die Pachtpreise stetig anziehen, stehen Landwirte ökonomisch zunehmend unter Druck. So müssen immer mehr Betriebe aufgeben, weil sie ihre Pacht nicht mehr zahlen können. In dieser Situation ist die Anpassung an eine Strategie, die mit weniger Pestiziden auskommt, eine große Herausforderung – das sehen die Autoren der o.g. Studie, Nicolas Munier-Jolain und sein Team. Ein Umdenken sei gefragt.

Im Öko-Landbau wird aus gutem Grund auf Schädlingsbekämpfungsmittel verzichtet. Denn mit den Schadinsekten, die sich gerne in Monokulturen ausbreiten, werden auch die Nützlinge vernichtet. Nach der mechanischen Bearbeitung bleiben Blühpflanzen an Ackerrändern, welche bestäubende Insekten anlocken. Ansonsten halten biologische Gegenspieler die Schädlinge in Schach. Organische Düngung erhöht die Bodenfruchtbarkeit, während Hülsenfrüchte den Stickstoff aus der Luft kostenlos binden.

Die Kosten

Eine Untersuchung an der kanadischen University of British Columbia vom März 2017 prüft die Vor- und Nachteile des Öko-Landbaus betreffend unterschiedlicher Parameter wie Ertragssicherheit, Bodenqualität, Biodiversität und Beitrag zum Klimaschutz. Höhere Erträge beim Getreide durch organische Stickstoffeinträge beim Anbau von Hülsenfrüchten ist nur ein positives Ergebnis.

Eine größere organische Masse bindet mehr Kohlenstoff im Boden – ein wirksamer Schutz für das Klima. Auch in dieser Studie profitieren Boden und Wasser ganz eindeutig durch den Verzicht auf Pestizide. Dies wirkt sich positiv auf die Gesundheit des Landwirtes und seiner Mitarbeiter aus. Als Nachteil werden niedrigere Erträge und höhere Verbraucherpreise genannt.

Allerdings sind die wahren Kosten für die konventionelle Produktion billiger Lebensmittel keinesfalls in den niedrigen Preisen enthalten. Der hohe Einsatz an Chemikalien und flächendeckende Monokulturen hat zur Folge, dass immer mehr Böden erodieren und fruchtbarer Acker verloren geht. Strategien zur permanenten Ertragssteigerung ohne Rücksichtnahme auf die Bodengesundheit führen früher oder später in eine Sackgasse.

Ein UN-Bericht warnt vor katastrophalen Auswirken von Pflanzenschutzmitteln auf die Umwelt, Mensch und Gesellschaft. So sterben weltweit tausende Menschen an den Folgen eines überhöhten Chemikalieneinsatzes, vor allem in den ärmeren Ländern. Gerade fruchtbare Böden dürften für die Nahrungssicherheit, die sich Agrarkonzerne so gerne auf die Fahnen schreiben, weltweit an Bedeutung gewinnen.

Agrochemikalien gefährden bestäubende Insekten

In Gegenden, in denen viel Pflanzenschutzmittel gespritzt wird, leiden Imker unter besonders großen Verlusten. Die Bienen würden zunächst davon “betrunken”, berichtet ein Hobby-Imker, der nahe der tschechischen Grenze Bienen hält. In der Region bei Dresden starben in diesem Frühjahr auffällig viele Bienenvölker. Weil sie bei viel zu niedrigen Temperaturen losfliegen, sterben die Bienen an Unterkühlung.

Auf der anderen Seite der Grenze, wo keine Chemikalien versprüht werden, ginge es den Bienen deutlich besser. Bienen, die mit Pflanzenschutzmitteln vergiftet sind, sind anfälliger gegenüber Krankheiten wie Nosematose und Amerikanischer Faulbrut. Mehrere wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen, dass bereits geringe Dosen die kognitiven Prozesse irreversibel stören. Die betroffenen Bienen verlieren die Orientierung und sterben. Seit 2006 ist das Phänomen in den USA unter dem Namen Colony Collapse Dissorder (CCD) bekannt.

Besonders gefährlich sind Neonicotinoide wie Imidacloprid, Thiamethoxam und Clothianidin, deren Anwendung bereits eingeschränkt wurde. Glaubt man dem Biologen Peter Neuman vom Schweizer Institut für Bienenforschung, so hat eine vorbeugende Spritzung nicht nur den frühen Tod der Königinnen, sondern auch eine geringere Fortpflanzungsrate bei Wildbienen zur Folge. Das Heimtückische sei, dass derart behandelte Pflanzen von Bienen bevorzugt angesteuert würden.

Nun erwägt die EU-Kommission ein endgültiges Verbot der drei Gifte – aber nur im Freiland. In Gewächshäusern soll ihre Anwendung erlaubt bleiben. Mitte Mai 2017 will ein Experten-Gremium darüber beraten. Mit einer persönlichen Botschaft an Agrarminister Schmidt kann jeder der Forderung nach einem Totalverbot Nachdruck verleihen.

Source : https://www.heise.de/tp/features/Bald-mehr-Oeko-auf-deutschen-Aeckern-3700092.html?seite=all

Autor : Susanne Aigner

Alte Apfelsorten schützen von Allergiesymptomen

Alte Apfelsorten schützen von Allergiesymptomen

Bei Golden Delicious und anderen Supermarktprodukten weggezüchtete Polyphenole sorgen dafür, dass das Obst beschwerdefrei verspeist werden kann

Eine Allergie auf Äpfel ist in Deutschland die häufigste Obstunverträglichkeit. Sie ist im Regelfall eine Kreuzreaktion auf eine Birkenpollenallergie, die entsteht, wenn Immunglobulin E-Antikörper das Apfelprotein Mal d 1 mit dem Birkenpollenallergen Bet v 1 “verwechseln”. Werden Äpfel versaftet oder zu Kompott, Kuchen oder Gelee verarbeitet, dann fällt die allergische Reaktion darauf häufig deutlich weniger stark aus. Manche Allergiker machten allerdings auch die Feststellung, dass sie einige Apfelsorten roh essen können, ohne dass die Mundschleimhaut zu jucken anfängt.

Bei diesen Sorten handelt es sich meist um ältere Sorten aus privaten Gärten. Äpfel aus dem Supermarkt oder der Obsthandlung lösen dagegen in den meisten Fällen auch dann eine Reaktion des Immunsystems aus, wenn es sich um Bio-Obst handelt. Das liegt der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft zufolge daran, dass es sich auch bei Bio-Tafeläpfeln meist um Sorten handelt, in denen man durch Zucht den Anteil an Gerb- und Bitterstoffen sowie an Polyphenolen verringert hat, damit sie süßer schmecken und damit sich ihr Fruchtfleisch nicht bräunlich färbt.

Inzwischen hat man jedoch herausgefunden, dass die weggezüchteten aromatischen Verbindungen mit ringgebundenen Hydroxygruppen dafür sorgten, dass das Kreuzallergenprotein im Apfel beim menschlichen Verzehr deutlich weniger Probleme verursacht. An der Universität Wageningen züchtete man deshalb die Apfelsorte Santana, die von 50 bis 70 Prozent der leichten Apfelallergiker vertragen wird. Santana-Äpfel haben jedoch den Nachteil, dass sie recht leicht verderben und deshalb nur vom Oktober bis in den Januar verkauft werden. Länger halten soll die ganz neue Anti-Allergie-Sorte Elise.

Wer einen Garten zur Verfügung hat, der kann auch Zweige alter Apfelsorten auf seine Bäume okulieren oder pfropfen. Geeignet sind zum Beispiel die angenehm säuerlich schmeckenden Boskop-Lederäpfel, die lange haltbaren Altländer Pfannkuchen, grüne Ontarioäpfel, rote Gravensteiner, weiße Klaräpfel, Glockenäpfel oder Reinetten.

Deutschlandweit gibt es mittlerweile zwischen Sörup und Wyhl über 40 Obstbaumschulen, die weiterhelfen, wenn man alte Sorten züchten will. In Österreich bieten die Baum- und Rebschule Schreiber in Poysdorf, das Praskac-Pflanzenland in Tulln, die Bio-Baumschule Artner im Waldviertel und die Arche Noah in Schiltern Dienstleistungen dazu an. Wer in der Schweiz lebt, der kann sich beispielsweise an die Stiftung für die kulturhistorische und genetische Vielfalt (ProSpecieRara) in Basel oder an die Vereinigung zur Förderung alter Obstsorten (Fructus) in Wädenswil wenden. In Luxemburg hat sich der Verein natur&ëmwelt die Förderung historischer Obstsorten zur Aufgabe gemacht. Und in Südtirol baut das Versuchszentrum Laimburg gerade eine Datenbank mit 400 alten Apfelsorten auf.

Source : http://www.heise.de/tp/artikel/40/40102/1.html

Von Peter Mühlbauer in Telepolis > Wissenschaft > Gesundheit

La recette gagnante d'un jardin slow

La recette gagnante d'un jardin slow

Les enseignements du projet Mille jardins en Afrique en dix étapes…

L’ambitieux projet de créer 1000 jardins en Afrique a dépassé la mi-parcours : les jardins sont déjà 567 et leur nombre ne cesse d’augmenter !
Voici dix règles qui permettent de réaliser un jardin bon, propre et juste dans n’importe quel endroit du monde. Il s’agit de règles simples, élaborées grâce à l’expérience et aux compétences de celles et ceux qui travaillent sur le terrain.

1. Réunir l’équipe idéale
La première chose à faire pour réaliser un jardin communautaire qui fonctionne est d’y faire participer la communauté, en faisant appel aux capacités de chacun. En effet, la communauté est une réserve infinie de savoirs et de savoir-faire.
Souvent, les personnes âgées possèdent de précieuses connaissances relatives aux aliments traditionnels, ils savent comment combattre les insectes nocifs par des méthodes naturelles et ainsi de suite. Dans l’un des jardins de Guinée Bissau, par exemple, un vieil homme a indiqué aux coordinateurs du projet une plante autochtone capable de protéger le jardin contre les termites. Personne parmi les jeunes ou les experts ne connaissait ce remède.
Les paysans savent comment cultiver et travailler leur terre du mieux possible en fonction de leur climat. Les enseignants peuvent contribuer à l’élaboration d’activités éducatives complémentaires. Les médias locaux peuvent raconter l’histoire du projet. Les agronomes sont capables de fournir des explications scientifiques et une assistance technique. Les jeunes ont l’énergie et l’esprit d’initiative pour agir.

2. Observer avant de faire
Apprendre de l’histoire et d’autres expériences positives. Visitez les jardins scolaires et communautaires des environs pour apprendre de leurs réussites et de leurs erreurs. Observez attentivement votre territoire pour découvrir les variétés locales, sauvages et cultivées. Prenez part à des programmes et à des organisations qui mènent des projets alimentaires durables.

3. Repérez un terrain disponible
Il ne doit pas forcément s’agir d’une surface très importante. Au Sénégal, la Mbao High School a réalisé un jardin dans le terrain compris dans le périmètre de l’école, créant ainsi une longue parcelle en forme de L. Observez cet espace avec un œil créatif et repérez le terrain qui peut être cultivé (un toit ? une ruelle ?). Vous pouvez aussi demander conseil ou vous adresser aux institutions de la commune, susceptibles de mettre des terrains à disposition.

4. Protégez le jardin
Avant de mettre les mains dans la terre, développez un projet qui définisse les zones réservées aux plates-bandes, aux allées, au dépôt des outils, etc. Les paysans et les agronomes de l’équipe apporteront une précieuse contribution lors de cette phase, puisqu’ils savent où chaque espèce pourra pousser au mieux et quelles plantes il est préférable de planter ensemble.

5. Choisissez quoi cultiver
Privilégiez les variétés traditionnelles, plus adaptées au climat et au terrain car elles s’y sont acclimatées au cours des siècles grâce à la sélection opérée par l’homme. Les variétés traditionnelles préservent la biodiversité, sont plus résistantes et nécessitent moins d’engrais et de pesticides. Par conséquent, elles sont plus durables du point de vue écologique et économique. Si vous ne savez pas comment vous les procurer (les paysans ne les cultivent parfois plus), tentez de vous adresser aux sociétés horticoles et aux groupes qui s’occupent de la conservation des graines.

6. Procurez-vous les semences
Si les pépinières locales ne disposent pas de variétés locales ou traditionnelles, de nombreux endroits vous permettront de récupérer des semences : banques de graines, instituts de recherche ou paysans eux-mêmes. L’un des principaux objectifs du jardin est de produire de manière autonome ses propres graines, en atteignant petit à petit le statut d’autosuffisance. Les graines peuvent aussi être produites par les jardins voisins et échangées, au sein de la communauté ou avec les communautés voisines. En Ouganda, par exemple, l’école maternelle de Buiga Sun Rise a commencé à produire des graines il y a quelques années, mais elle en récoltait toujours plus que nécessaire à la récolte suivante. La solution ? Elle donne ses excédents de graines aux écoles voisines qui n’en disposent pas, et qui complètent l’échange la saison suivante sous forme de graines différentes.

7. Procurez-vous les outils

Faites une liste des outils essentiels à débuter les travaux et des objets que vous voudrez acheter ensuite. De cette manière, la récolte des fonds nécessaires au jardin pourra advenir en plusieurs phases successives. Demandez conseil aux entreprises locales. Utilisez au mieux ce que vous avez déjà, demandez aux membres de la communauté de chercher au fond de leurs débarras. En République Démocratique du Congo, par exemple, les paysans de Kinshasa amènent souvent leurs propres râteaux, pelles ou arrosoirs avec eux lorsque c’est nécessaire, et mettent leur argent en commun pour acheter le reste.

8. Utilisez des méthodes durables
Les substances naturelles pour améliorer la fertilité du sol et combattre les insectes nocifs et les maladies sont efficaces si elles s’inscrivent dans un système complet, qui prévoit aussi la rotation des cultures (en évitant de cultiver la même espèce dans la même section du jardin pendant plusieurs années consécutives : planter des tomates là où poussaient des tomates, par exemple) et les cultures associées (où les plantes sont capables de s’aider mutuellement).

9. Faites du jardin une salle de classe en plein air
Les jardins sont une excellente possibilité de faire découvrir aux adultes et aux enfants les variétés végétales autochtones, les méthodes de culture écologiques et l’importance d’un régime alimentaire varié. Grâce à leur caractère inter-disciplinaire, ils permettent d’étudier plusieurs matières à la fois : l’histoire, grâce aux traditions culturelles et aux plantations ; la géographie, en partant de l’origine des produits ; les mathématiques et la géométrie, lors de la planification du jardin et du calcul de la valeur prévisionnelle de la récolte. Les étudiants d’un jardin en Afrique du Sud, par exemple, ont étudié en classe le cycle de vie des papillons avant d’aller dans un champ pour observer les larves et les cocons. En outre, les jardins offrent aux enfants la possibilité d’étudier des thèmes qui ne seraient autrement pas abordés en classe, comme les traditions alimentaires et la nutrition correcte.

10. Amusez-vous !
Selon la philosophie de Slow Food, la responsabilité doit aller de pair avec le plaisir. Que serait un jardin bon, propre et juste sans une bonne dose de plaisir ? Les jardins peuvent renforcer les communautés, transmettre un sentiment d’appartenance à ses membres et réunir les générations et les groupes sociaux. Ils créent des moments de convivialité, de solidarité et d’amitié.
En Ouganda, par exemple, le convivium de Mukono organise chaque année la fête des fruits et des jus : les enfants de l’école locale préparent des jus de fruits frais et mangent les fruits ramassés dans les jardins de l’école en profitant de cette journée avec leurs parents, les enseignants et les dirigeants locaux.

Qu’attendez-vous ? Suivez nos amis du projet, de la Tunisie à l’Afrique du Sud, relevez vos manches et commencez à semer !

Pour soutenir le projet Mille Jardins en Afrique ou pour adopter un jardin, rendez-vous sur le site www.slowfoodfoundation.org

Pour des directives détaillées relatives à la création d’un jardin, consultez le vademecum des Mille Jardins en Afrique

Découvrez ici les activités d’éducation Slow Food